Die Schlacht bei Saarburg

Die Erde verschimmelt im Nebel.
Der Abend drückt wie Blei.
Rings reißt elektrisches Krachen
Und wimmernd bricht alles entzwei.

Wie schlechte Lumpen qualmen
Die Dörfer am Horizont.
Ich liege gottverlassen
In der knatternden Schützenfront.

Viel kupferne feindliche Vögelein
Surren um Herz und Hirn.
Ich stemme mich steil in das Graue
Und biete dem Morden die Stirn.

Fern

Ich möchte in Nacht mich bergen,
Nackt und scheu,
Und um die Glieder Dunkelheit decken
Und warmen Glanz …
Ich möchte weit hinter die Hügel der Erde wandern –
Tief hinter die gleitenden Meere,
Vorbei den singenden Winden …
Dort treff ich die stillen Sterne,
Die tragen den Raum durch die Zeit
Und wohnen am Tode des Seins,
Und zwischen ihnen sind graue,
Einsame Dinge…
Welke Bewegung vielleicht
Von Welten, die lange verwesten –
Verlorener Laut –
Wer will das wissen …
Mein blinder Traum wacht fern den Wünschen der Erde.

Komisches Lied

(An Felix Dörmann)

Ich hasse die farblose Feinheit
Erklügelter Nervenkultur.
Ich liebe die bunte Gemeinheit
der schamlosen, nackten Natur.

Ich liebe die wulstigen Falten
Um Augen mit brandrotem Rand
Ich liebe die feisten Gestalten
Der Dirnen in geilgrellem Tand.

Ich liebe die buckligen Schreiber,
Die schielend zum Erdboden sehn.
Ich liebe die kugligen Leiber
Der Schwangeren in ihren Wehn.

Ich liebe die Burschen mit wirrem
versoffnen, vertierten Gesicht,
Wenn heiser sie johlen bei irrem
Oft schon sich verlierenden Licht.

Ich liebe die dicken Athleten
Mit bulldoggenstarkem Popo.
Ich liebe, die fluchen, nicht beten
Und bin vielleicht selbst etwas roh.

Ich liebe die gräßliche Sünde
So sehr wie das schuldlose Kind,
Weil wir ja doch alle nur blinde
Unselige Blödlinge sind.

Die Wehmut

Ich hab’ einen Hass, einen grimmigen Hass
Und weiß doch selbst nicht recht auf was.

Ich bin so elend, so träge und faul
Wie ’n abgeschundner Ackergaul.

Ich hab’ einen bösen Zug im Gesicht.
Mir ist niemand Freund, ich will es auch nicht.

Ich hab’ eine Wut auf die ganze Welt.
In der mir nicht mal mehr das Laster gefällt.

Und schimpfe und fluche, ich oller Tor
Und komme mir sehr dämonisch vor.

Lumpenlied eines Höhenmenschen

Ich hab’ gerad’ Lust, mir fällt’s gerad’ ein,
Damit ich’s Euch gleich sage?.
Ich will einmal recht ehrlich sein.
Bin’s doch nicht alle Tage.

So ehrlich sein, wie’s einer kann,
Der heut’ noch hat Charakter
Wohlauf! Sehn soll mich jedermann
Jetzt nackt und immer nackter.

Erschrecken braucht ihr darum nicht,
Ich mein’s ja bildlich nur,
Ich bin ein arger Bösewicht
Und sittlicher Natur.

Ich bin ein rechter Geisterheld
Und denke alles schief
Genützt hab’ ich auf dieser Welt
Bisher nur negativ.

Ich liebe den berliner ? Duft.
Bin ein verkommner Bruder.
Ich glaub’, ich bin ein großer Schuft
Und außerdem ein Luder.

Und außerdem ein Onanist
Und außerdem versoffen.
Ich glaub’, man hat im Straßenmist
Mich oft schon angetroffen.

Da gleich ich zwar dem Rüffeltier,
Das man auch anders nennt.
Doch sonst bin ich ein Kavalier:
Blasiert und impotent.

Bei jeder lustgen Sumpferei
Bei jedem bessern Schwoof
Und sonstwo bin ich gern dabei
Als Lump und Philosoph.

Nun müßt’ ich doch recht traurig sein,
Daß ich solch Luder bin…
Das fällt mir nicht im Traume ein,
Ich hege heitern Sinn.

Dieweil es mir ist so vorgekommen,
Ich lach’ wie nicht gescheit,
Daß ihr, die hier sind, ausgenommen
Viel größere Lumpen seid.

Der Volkston

So lebt man nun sein Leben hin
In grauem Alltagskleid.
Und trachtet nur nach Geldgewinn
Und bringt es doch nicht weit…
Nur’s Nötigste, wenn viel gelingt,
Man grade noch erwirbt.
Man trinkt und ißt und ißt und trinkt
Und lebt und strebt und stirbt.

Ich weiß nicht, wozu man denn lebt
In all dem Schlamm und Dreck!
Ich weiß nicht, wozu man denn strebt
Ganz ohne Ziel und Zweck …
Ich klebe noch am selben Ort,
Komm nicht vom Alltag frei.
Trübselig fließt mein Dasein fort
In ewgem Einerlei …

Ich bin doch nur ein Alltagskind,
Bespritzt vom Alltagskot.
Als Blut in meinen Adern rinnt
Der liebe gute Tod …
So bring’ ich nun mein Leben hin
In grauem Alltagskleid.
Und wenn ich einst gestorben bin,
Kein Hahn mehr nach mir schreit.

Spaziergang

Der Abend kommt mit Mondschein und seidner Dunkelheit.
Die Wege werden müde. Die enge Welt wird weit.

Opiumwinde gehen feldein und feldhinaus.
Ich breite meine Augen wie Silberflügel aus.

Mir ist, als ob mein Körper die ganze Erde wär.
Die Stadt glimmt auf: Die tausend Laternen wehn umher.

Schon zündet auch der Himmel fromm an sein Kerzenlicht.
… Groß über alles wandert mein Menschenangesicht –

Der Gerührte

Ich habe gern verlassen
Den lauten Tod der Stadt,
Der tausend Fratzen hat,
Die gelbe Nacht der Gassen.

Ich schreite in den weiten,
Silbrigen Himmel ein:
Die frommen Glieder gleiten
Tief in das sanfte Sein.

Ich bin im weißen Leuchten
Von Wolke, Wiese, Wind.
Bin Baum, bin Dorf, bin Kind…
Wie sich die Augen feuchten –

Bald wird am Silberende
Der grüne Abend stehn…
Ich hebe selge Hände –
Will ihm entgegengehn –

Punkt

Die wüsten Straßen fließen lichterloh
Durch den erloschnen Kopf. Und tun mir weh.
Ich fühle deutlich, daß ich bald vergeh -
Dornrosen meines Fleisches, stecht nicht so.

Die Nacht verschimmelt, Giftlaternenschein
Hat, kriechend, sie mit grünem Dreck beschmiert.
Das Herz ist wie ein Sack. Das Blut erfriert.
Die Welt fällt um. Die Augen stürzen ein.