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Klabund: Was ist einsamer

Was ist einsamer
Denn der Mensch!
Dem Herzen schlägt
Kein Echo.
Ungerufen
Ruft er die Götter –
Unerbeten
Steigt das Gebet
Stolzester Springbrunn
Zum Himmel,
Leuchtet und fällt.
Dein Mädchen,
Ehedem
So schön an dich geschmiegt,
Sinnt süß Verrat.
Die Arme
Wirfst du blutend in die Luft,
Umarmest
Lauter Leere.
Und der Wind
Trägt dein Geschrei dem Hohn der Götter zu.

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Klabund: Ich bin von Feuerringen

Ich bin von Feuerringen
Umkreist zu meiner Not.
Ich hör die Vögel singen
Im hellen Abendrot.
Sie schweben und sie schwärmen
Und singen sich zur Ruh.
Sie leben und sie lärmen.
Wozu?

Wir halten uns umfangen
In Nacht und Paradies.
Die Abendglocken klangen
Aus dumpfestem Verließ.
Wir wissen unsrer Hände
Und Herzen einen Pfad.
Wer weiß, wie bald das Ende
Uns naht.

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Klabund: Komm zur Stunde der Gespenster

Komm zur Stunde der Gespenster,
Daß kein Blick dich mehr berühre.
Komm mit einem Stern durchs Fenster,
Mit dem Windstoß durch die Türe.

Leg zu mir dich in die Kissen,
Laß uns Wang an Wange schweigen,
Bis in flammenderen Küssen
Wir uns zueinander neigen.

Nimm mich mit dir, wenn du scheidest
Beim Gesang der Philomele.
Leiden will ich, was du leidest,
Selig sein in deiner Seele.

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Klabund: Es ist genug

Es ist genug. Mein trübes Licht
Bereit‘ sich zu erlöschen.
Ich hab‘ vertan mein Recht und Pflicht
Und meiner Seel‘ vergessen.

Es ist genug. Es weht ein Wind,
Weht nicht von Ost nach Norden.
Auf der Milchstraße wandert ein weißes Kind,
Ist nicht geboren worden.

Du über den Häusern heller Schein,
Wovon bist du so helle?
Stehst du um die Stirn einer Jungfrau rein
Oder brennt ein Sünder zur Hölle?

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Klabund: Ich habe ja ein Kind

Ich habe ja ein Kind,
Nun kann ich nicht mehr sterben,
Wenn meine Augen tot und blind,
Dann hab‘ ich einen Erben.

Alle meine Träume flattern
In meines Kindes Augen wieder mit blauen Flügeln auf,
Schießen zwitschernd um seines jungen Turmes sonnegoldnen Knauf,
Wenn dumpf schon ferne die Gewitter rattern.

Du wirst mich ganz erfüllen,
Und meine Unruh stillen,
Mein Kind… du überwindest mein Martyrium.
Wenn ich begraben werde,
Wirf du die erste Handvoll Erde
Auf meinen Sarg – und dreh dich lachend um.

Geh hin zum neuen Leben,
Mehr kann ich dir nicht geben,
Als was ich war… und ich war ich.
Mein Blut soll in dir singen,
In meine Tiefe dringen,
Wenn längst sich Wurm auf Wurm in meinen Schädel schlich.

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Klabund: Ich hasse alle

Ich hasse alle und bin ihnen gram,
Die nicht von mir wissen,
Daß ich diesen oder jenen Witz gerissen,
Daß ich diesen oder jenen Kuß von diesen oder jenen Lippen nahm.
Ich werfe mein rundes Herz in die Welt,
Geballt wie eine Glaskugel, die splitternd zerschellt.
Du findest einen Splitter,
Der in der Sonne silbern flammt.
Ich aber steh hinter dem Gitter
Und bin verdammt.
Ich habe die Glaskugel nur über das Gitter geschmissen.